La fin de l'été

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Ich habe mich soeben ganz bewusst vom Sommer verabschiedet. Ich bin voll und satt von der Wärme und ganz in Frieden damit, dass nun der Herbst da ist …

Was ich diesen Sommer besonders gerne gemacht habe, ist, im Wasser, auf dem Wasser und am Wasser zu sein.

Ich schwimme liebend gerne und lasse mich von der Bewegung des Wassers verzaubern. Dabei komme ich in eine tiefe Ruhe. Das kann am Meer sein, aber auch an einem See, einem Bächlein oder natürlich am Fluss – also an der Aare …

Obwohl ich in meiner Jugend Volleyball gespielt habe, würde ich mich eher als «unsportlich» bezeichnen. Umso erstaunlicher ist es für mich, dass ich vor fünf Jahren einen Ruderkurs besucht habe. Eine Freundin hat mich zu diesem Unterfangen animiert, und so haben wir gemeinsam das Rudern erlernt. Sie hat das Rudern bald wieder aufgegeben, mich aber hat es regelrecht gepackt.

Meine Begeisterung für diese Sportart ist über die Jahre immer weiter gewachsen. Vielleicht auch deshalb, weil ich dabei nicht auf einen Berg klettern muss. Eine Sportart im Sitzen kommt mir sehr entgegen.

Wenn ich heute mit dem schmalen Skiff, dem Einerboot, alleine auf der Aare unterwegs bin, ist das für mich eigentlich Meditation. Ich komme ganz in den Moment.

Natürlich wandern auch hier meine Gedanken ab und ich verliere mich in Gedankensträngen. Oder ich lasse mich von all den wunderbaren Tieren ablenken, die am Flussufer zu Hause sind.

Wenn das Boot anfängt zu wackeln und das Wasser unruhig wird, zeigt es mir ganz unmittelbar: «He, he, du bist nicht ganz da!» Dann hole ich mich mit lauter Stimme zurück und spreche mit mir selbst: «Jetze aber ganz ruhig blibe.» Und schon bin ich wieder zurück im Hier und Jetzt.

In dieser Meditation auf dem Wasser, im Boot sitzend und mit den rhythmisch schlagenden Rudern, übe ich mich immer wieder aufs Neue darin, meinen Geist zurückzuholen.

Eine besondere Freude ist es, wenn ich ganz eins werde mit dem Boot, dem Ruder und dem Rhythmus. Es fühlt sich an, als würde ich verschwinden – und als wäre ich Boot, Wasser und Rhythmus zugleich. Und sobald ich das bemerke, ist es bereits wieder vorbei mit dem Einssein. Der nächste Ruderschlag will gemacht werden und der nächste Einatem kündigt sich auch an.

Ein Schüler fragte seinen Meister: „Meister, was muss ich tun, um weise zu werden?“ Der Meister antwortete: „Wenn du hungrig bist, iss. Wenn du müde bist, schlafe.“ „Aber das tut doch jeder!“ „Nicht ganz“, sagte der Meister. „Manche essen und denken an ihre Arbeit. Sie arbeiten und denken ans Essen. Und nachts liegen sie wach und führen Gespräche mit Menschen, die längst nicht mehr im Zimmer sind.“ Der Schüler dachte nach. Dann fragte er: „Und was soll ich tun, wenn ich meditiere?“ Der Meister lächelte: „Meditieren.“ „Und wenn ich darüber nachdenke, ob ich richtig meditiere?“ „Dann“, sagte der Meister, „hast du jetzt etwas, das du bemerken kannst.“ Der Schüler schwieg. Der Meister stand auf und ging zum Teetisch. „Meister“, rief der Schüler, „war das schon die ganze Lehre?“ „Nein“, sagte der Meister. „Du kannst mir noch beim Abwaschen helfen.“

Der Meister und der Schüler 

– nach einer Zen-Anekdote über Dazhu Huihai, frei nacherzählt.

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